Beurteilung Dritter

Gaiberg ist ein konkretes Beispiel für eine Entwicklung, die von verschiedenen Seiten allgemein erwartet wird:

Ulf Hahne und Martin Günther, Universität Kassel, Fachbereich 6, Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung, kommen in ihrer Analyse:Kostenaspekte bei der Wohngebietsentwicklung” zu folgender Zusammenfassung (Seite 23f.):

“Erstens führt die Umwandlung von Freiflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen zu den schon lange bekannten negativen Auswirkungen wie der Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen von Flora und Fauna, zu zusätzlicher Versiegelung, zu der Beeinträchtigung des Wasserhaushalts sowie zur Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.

Zweitens induzieren neue Baugebiete und hier vor allem solche im Außenbereich zusätzlichen Verkehr. Das wiederum führt zu einer höheren Verkehrsbelastung in den Gemeinden, zu erhöhten Emissionen (z.B. CO2-Ausstoß und Feinstaub), zu mehr Lärm und anderen negativen externen Effekten. Zudem werden die Wege der Einwohner zu Zielen wie Arbeit, Einkaufen, Freizeit und Erholung i.d.R. länger.

Drittens führen neue Baugebiete zu mehr technischer Infrastruktur. Da allerdings gering verdichtete Gebiete verhältnismäßig teuer zu erschließen sind (Aufwand pro Wohneinheit), steigen auch die durchschnittlichen Kosten bzw. Preise für die Allgemeinheit der Netznutzer. Gleichzeitig sinkt aber ggf. die Bewohnerzahl in den günstig zu erschließenden, dichteren Gebieten der Städte, wodurch der Effekt verstärkt würde. Sinkt im Zuge der Schrumpfung die Bevölkerungszahl im Versorgungsgebiet insgesamt, müssen die anfallenden Kosten für die Infrastruktur auf weniger Nutzer umgelegt werden. Die Preise für die Nutzer der Infrastrukturen steigen weiter, was wiederum die Lebenshaltung (Wohnnebenkosten) in der Region verteuert und die Kaufkraft sinken lässt. Den privaten Haushalten verbleibt somit weniger frei verfügbares Einkommen für Konsumzwecke.

Viertens führt das reichhaltige Zusatzangebot durch Wohnungsneubau zu einer schleichenden Entwertung aller Bestandsimmobilien. Denn gerade in schrumpfenden und stagnierenden Regionen führt zusätzlicher Wohnraum zu Angebotsüberhängen und erschwert die Verkäuflichkeit und Vermietbarkeit im Bestand. Infolge von Bevölkerungsverlusten (Abwanderung und demografischer Wandel) sowie daraus resultierender sinkender Nachfrage fallen die Grundstücks- und Gebäudewerte. Die Abwärtsspirale von sinkenden Werten, geringerer Kreditfähigkeit gegenüber Banken, fehlenden Investitionen und Leerstand dreht sich weiter. Das Eigentum der Grundstücksbesitzer und Unternehmen wird entwertet und die Alterssicherung gefährdet. ……

Schließlich sei in dieser kurzen Auswahl noch darauf hingewiesen, dass infolge der Zersiedlung und des gleichzeitig steigenden Leerstandes die Ortsbilder zerpflückt werden. Die Qualität der Städte und Gemeinden sinkt dadurch genauso wie die Lebensqualität der Menschen. Gleichermaßen sinkt die Identität der Bürger mit ihren Kommunen, sowohl in den von Leerstand und Niedergang/ Verödung geprägten Quartieren als auch in den geschichtlich gewachsenen (eigenständigen) Gemeinden….”

Das ehemalige Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg hat bereits frührzeitig auf zu erwartende Fehlentwicklungen hingewiesen:
“… Baugebiete auf der grünen Wiese werden sich nicht mehr füllen und drohen zum Teil sogar zu veröden. Nicht ausgelastete Neubaugebiete bedeuteten so nicht nur ein Verlust naturnahen Lebensraumes, sondern führten zu immensen Kosten in den kommunalen Haushalten, wenn die Nachfrage sinke und Erschließungskosten nicht gedeckt werden könnten. Hinzu kommt ein verstärkter Trend zum Leben in der Stadt. “Wohnraum in urbanen Räumen wird sowohl von älteren Menschen vermehrt nachgefragt, die nicht mehr gern allein im Grünen wohnen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wie auch bei Familien mit Kindern, die kurze Wege zu Einkauf, Schule und Arbeit schätzen. Wir stellen fest, dass kompakte Siedlungsstrukturen mit kurzen Wegen und einer guten Anbindung an die örtliche Infrastruktur gefragt sind. …”

 

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